Die große Zuckerfalle – Warum „gesundes Naschen“ oft nicht so gesund ist
- Gerlinde Theiss
- 9. März
- 3 Min. Lesezeit
„Aber es ist doch gesund!“ – Diesen Satz höre ich in meiner Praxis als Diätologin ständig. Egal, ob es um Müsliriegel mit Datteln, vegane Kekse mit Kokosblütenzucker oder Smoothies ohne „industriellen Zucker“ geht – viele sind überzeugt, dass sie gesünder naschen. Doch genau hier liegt ein gefährlicher Trugschluss!

Zucker bleibt Zucker – egal, woher er kommt
Nur weil eine Süßungsalternative natürlicher klingt, bedeutet das nicht, dass sie für den Körper harmloser ist. Ob Haushaltszucker, Dattelsirup oder Agavendicksaft – sie alle bestehen hauptsächlich aus Zuckerarten, die unseren Blutzuckerspiegel beeinflussen.
Datteln z. B. bestehen zu etwa 60–70 % aus Fruchtzucker. Heißt: Ein Snack, der nur aus Datteln gesüßt ist, kann sogar MEHR Zucker enthalten als herkömmliche Schokolade! Ein Energy Ball mit Dattelsirup hat oft genauso viele oder sogar mehr Kalorien als ein konventioneller Schokoriegel. Der entscheidende Unterschied liegt nicht im Nährwert, sondern in der Wahrnehmung: Produkte mit "natürlichen" Süßungsmitteln werden als gesundheitsfördernd angesehen und häufig in größeren Mengen konsumiert.
Die Tricks der Industrie – und warum wir darauf reinfallen
Die Lebensmittelbranche weiß, dass wir gesunde Alternativen suchen. Deshalb werden Produkte geschickt vermarktet:
„Ohne Zuckerzusatz“ – heißt oft: Süße durch Datteln, Honig oder Kokoszucker (die trotzdem Zucker enthalten!)
„Natürlich gesüßt“ – vermittelt den Eindruck, dass es besser sei als „normaler“ Zucker
„Superfood-Riegel“ – aber oft mit einer Zuckerbombe als Basis
Besonders problematisch ist, dass Social-Media-Influencer den übermäßigen Konsum dieser „gesunden“ Alternativen oft glorifizieren, ohne die ernährungsphysiologischen Konsequenzen zu berücksichtigen. Das setzt falsche Maßstäbe und führt zu Verwirrung.
Warum „gesunde“ Snacks uns austricksen
Das Problem:
Du isst sie mit „gutem Gewissen“ – und vielleicht mehr als nötig
Dein Blutzucker schießt in die Höhe – und danach in den Keller
Das fördert Heißhunger & unnötige Snacks zwischendurch
Ja, Dattelsirup oder Kokoszucker enthalten minimal mehr Mineralstoffe als Haushaltszucker. Aber mal ehrlich – wer nascht wegen der Mineralstoffe?
Wie geht gesundes Naschen WIRKLICH?
Jetzt mal ehrlich: Naschen gehört zum Leben. Es geht nicht darum, sich alles zu verbieten, sondern kluge Entscheidungen zu treffen. Wer wirklich gesund naschen will, sollte weniger auf die Marketingversprechen und mehr auf die Nährstoffzusammensetzung achten.
Hier ein paar einfache Regeln, die sich bewährt haben – auch in meiner Praxis:
1. Hinter die Zutatenliste blicken
„Ohne Zuckerzusatz“ bedeutet nicht „zuckerfrei“ – oft stecken Datteln, Honig oder Agave drin, die den Blutzucker genauso ansteigen lassen. Achte darauf, dass der Snack nicht nur aus getrockneten Früchten oder Süßungsmitteln besteht, sondern auch gesunde Fette und Proteine enthält. Ein selbstgemachter Nussriegel mit Mandeln, Leinsamen und einem Hauch dunkler Schokolade ist eine weitaus bessere Wahl als ein „gesunder“ Dattelriegel mit 40 % Fruchtzucker.
2. Naschen mit Struktur
Gesundes Naschen bedeutet auch bewusstes Naschen. Wer immer wieder zwischendurch kleine Süßigkeiten konsumiert, hält seinen Blutzuckerspiegel dauerhaft auf einem hohen Niveau – und genau das sorgt für Heißhunger. Besser: Nach einer vollwertigen Mahlzeit ein Stück dunkle Schokolade genießen oder sich bewusst eine gesunde Snack-Zeit einplanen.
3. Natürliche Sättigung nutzen
Proteine und Ballaststoffe sind deine besten Freunde, wenn du Heißhunger vermeiden willst. Ein Snack mit griechischem Joghurt, Nüssen und frischen Beeren sättigt und versorgt dich mit wichtigen Nährstoffen. Oder wie wäre es mit selbstgemachten Energy Balls mit wenig Datteln, dafür mehr Nüssen und Chiasamen?
4. Verstehen, was dein Körper wirklich braucht
Manchmal ist es nicht der „Gusto auf Süßes“, sondern schlichtweg Hunger oder Müdigkeit. Wer regelmäßig Heißhunger auf Süßes hat, sollte seinen Ernährungsstil generell überdenken – oft sind unausgewogene Mahlzeiten oder Nährstoffmängel die Ursache. Hier kann eine individuelle Beratung helfen, den Körper besser zu verstehen.
Fazit: Bewusst naschen statt blind vertrauen
Natürliche Süßungsmittel sind nicht per se schlecht. Sie können durchaus einen Platz in einer ausgewogenen Ernährung haben. Das Problem entsteht, wenn sie als Freifahrtschein für maßloses Naschen missverstanden werden. Ein Brownie bleibt ein Brownie – ob mit Industriezucker oder Dattelsirup gesüßt.
Am Ende geht es nicht darum, Naschen zu verbieten, sondern die richtige Balance zu finden. Wer dabei Unterstützung möchte, kann sich professionelle Hilfe holen – manchmal reicht ein kleiner Perspektivwechsel, um langfristig gesunde Gewohnheiten zu etablieren. Denn Genuss und Gesundheit schließen sich nicht aus – wenn man weiß, wie! Genau dafür habe ich meine Meal-Checkup-Methode entwickelt: Gemeinsam schauen wir uns an, wo und wie wir dein Essen und Essverhalten verbessern können – individuell, nachhaltig und alltagstauglich.
Wie sieht dein Umgang mit Süßem aus? Hast du dich auch schon von „gesunden“ Süßungsalternativen in die Irre führen lassen? Teile deine Erfahrungen gerne in den Kommentaren oder schreib mir persönlich!
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