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Warum wir unseren Wert nicht an Gewicht messen sollten

In einer Gesellschaft, die von Diätkultur und unrealistischen Körperidealen geprägt ist, fällt es vielen von uns schwer, unseren Selbstwert nicht an der Zahl auf der Waage festzumachen. Als Diätologin sehe ich täglich, wie schädlich diese Verknüpfung sein kann – sowohl für die körperliche als auch für die psychische Gesundheit.


Avocado mit Maßband herumgewickelt auf rosa Hintergrund

Die Waage misst nicht, was wirklich zählt

Was zeigt die Waage eigentlich? Sie zeigt die Summe aus Muskelmasse, Knochengewicht, Organgewicht, Körperwasser und Fettgewebe – aber nichts davon sagt etwas über unseren Wert als Mensch aus. Die Waage kann nicht messen:

  • wie freundlich wir zu anderen sind

  • unsere Fähigkeit, zu lieben und geliebt zu werden

  • unsere beruflichen Erfolge und Talente

  • unsere Kreativität und Problemlösungsfähigkeiten

  • die Tiefe unserer Beziehungen

  • unsere Widerstandsfähigkeit in schwierigen Zeiten.


Der versteckte Schaden der Gewichtsfixierung

Die ständige Beschäftigung mit dem Körpergewicht raubt uns nicht nur wertvolle Lebenszeit, sondern führt häufig auch zu einem negativen Kreislauf:

  1. Unzufriedenheit mit dem Körper führt zu Diäten

  2. Diäten führen in den meisten Fällen langfristig zu Gewichtszunahme

  3. Gewichtszunahme führt zu mehr Unzufriedenheit

  4. der Kreislauf beginnt von vorne.


Gleichzeitig entsteht ein gefährlicher psychologischer Teufelskreis: "Wenn ich nur X Kilo abnehme, werde ich glücklich/erfolgreich/geliebt sein." Diese Denkweise verschiebt das Glück ständig in die Zukunft und verhindert, dass wir im Hier und Jetzt zufrieden leben.


Ein neues Verhältnis zu Körper und Gesundheit entwickeln

Als Gesundheitsexpertin plädiere ich für einen grundlegend anderen Ansatz:


1. Gesundheitsorientierung statt Gewichtsfixierung

Anstatt uns auf das Gewicht zu konzentrieren, können wir auf gesundheitsfördernde Verhaltensweisen achten: ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, die Freude macht, ausreichend Schlaf und Stressmanagement. Diese Verhaltensweisen verbessern unsere Gesundheit unabhängig vom Gewicht.


2. Körperrespekt entwickeln

Unser Körper leistet jeden Tag Erstaunliches – er lässt uns atmen, denken, fühlen und erleben. Anstatt ihn ständig zu kritisieren, können wir lernen, ihn für seine Funktionen zu respektieren und wertzuschätzen.


3. Selbstwert von äußeren Faktoren trennen

Unser Wert als Mensch ist inhärent – er hängt nicht von äußeren Faktoren wie Aussehen, Gewicht oder sozialer Anerkennung ab. Diese Erkenntnis zu verinnerlichen ist ein lebenslanger Prozess, aber ein unglaublich befreiender.


Praktische Schritte für ein gesünderes Selbstbild
  • die Waage aus dem Badezimmer entfernen oder höchstens einmal pro Monat wiegen

  • sich mit Menschen umgeben, die einen für die inneren Werte schätzen

  • Medieninhalte kritisch hinterfragen, die unrealistische Körperideale propagieren

  • positive Selbstgespräche und Selbstmitgefühl praktizieren

  • auf das konzentrieren, was der Körper kann, nicht wie er aussieht

  • professionelle Hilfe suchen, wenn negative Gedanken über den Körper das Wohlbefinden stark beeinträchtigen


Fazit: Ein Leben jenseits der Zahl auf der Waage

Der Weg zu einer gesunden Beziehung zum eigenen Körper ist nicht einfach, besonders in einer (Medien)Welt, die uns ständig Botschaften der Unzulänglichkeit sendet. Doch wenn wir beginnen, unseren Selbstwert von unserem Gewicht zu entkoppeln, eröffnen sich neue Freiheiten und Möglichkeiten.


Als Diätologin sehe ich es als meine Aufgabe, Menschen dabei zu unterstützen, eine respektvolle und wertschätzende Beziehung zu ihrem Körper aufzubauen – jenseits von Zahlen auf der Waage oder Größenangaben auf Kleidungsetiketten. Denn am Ende zählt nicht das Gewicht, sondern wie gut wir mit uns selbst und unserem Körper im Einklang leben können.

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